Vom Tod, Trauer, Enttäuschungen und Hoffnung

Veröffentlicht: 9. November 2012 in Ärgerlich!, Persönliches
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Manch einer meiner wenigen leser fragt sich vielleicht, wieso so lange kein neuer Artikel mehr gekommen ist, wieso es so still geworden ist.
Nun, das lag einerseits an meinem zu der Zeit neuen Beruf, welcher mich zeitlich etwas eingeengt hat, andererseits an ein paar anderen Vorfällen, auf die sich der Titel bezieht.

Aber von vorne – der letzte „richtige“ Artikel ist von Ende April. Ziemlich genau einen Monat, bevor ich meine neue Arbeit antrat. Am 4.6.12 nahm ich meine Arbeit bei einem örtlichen Radio-Fernseh Handel auf, eine Traditionsfirma mit langer Geschichte, die bis in die 30er Jahre zurück reicht, i.I.r.c.. Besser hätte es, nach der Pleite mit dem Unternehmen davor, nicht laufen können. Per Mail beworben, 2 Stunden später ne Antwort, ich möchte doch eben vorbei kommen zwecks Vorstellungsgespräch. Beim Gespräch selber: Kein Wort zu meinen Gehaltsvorstellungen, diese wurden zu 100% angenommen, dazu gabs ohne konkrete Nachfrage 30 Urlaubstage.

So weit so gut. Die Umsätze waren so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zumindest einen Monat lang. Dann kam das bekannte Sommerloch. So weit nichts außergewöhnliches. Der August lief allerdings auch schlecht. Sehr schlecht. So schlecht, dass ich am 30.9. meinen Chef vor mir stehen hatte, zittriger Stimme, sichtlich angeknackst und verunsichert, mit der Kündigung in der Hand. Wenn es im September nicht besser laufen würde (was es nicht tat), müsse ich wieder gehen, da auch seitens der Firma Unitymedia ein bereits abgemachter Vertrag nicht eingehalten wurde, wegen dem ich hauptsächlich eingestellt worden war.

Am 11. September geschah es dann – eine Woche nachdem meine Eltern von der Kündigung erfahren haben. Ich fuhr wie immer mit dem Motorrad heim, bereits mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend, was ich mir nicht so recht erklären konnte. Vor der Garage standen 2 Krankenwagen und ein Notarzt. Zuhause angekommen dann die Nachricht, die mich für mehr als einen Monat, bis vor etwa einer Woche, hat ermatten lassen. Mein Vater ist mit einem Herzinfarkt zusammen gebrochen.
Erst sah alles gut aus, aber nach 2 Tagen Intensivstation stand fest, dass er nicht mehr erwachen wird. Dank Patientenverfügung konnten wir es ihm ermöglichen, sein Leiden so kurz wie möglich zu halten. Trotzdem hat er bis zum 28.10. durchgehalten. Er wurde 51 Jahre alt und verstarb für uns alle völlig überraschend, ohne jegliche Vorzeichen, was auch die Vorsorgeuntersuchung vor einem halben Jahr bestätigte.

Es grenzt schon fast an Zynismus, das meine Eltern erst vor einem halben Jahr beide die Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht und Testamente erstellt haben.

Ich wurde also beinahe zeitgleich mit dem Tod meines Vaters arbeitslos. Und das Amt hat nichts besseres zu tun, als einen daraufhin noch ins Gesicht zu spucken, im Sinne von: „Na, warum haben se denn da nur 4 Monate ausgehalten?“ und „Wie, sie wollen Sich selbstständig machen? Von uns gibts keine Kohle, sie sind ja Vermittelbar. Bemühen Sie sich einfach mehr, dann kommen Sie schon ans arbeiten.“
Ich bin ja schon gespannt was die Dame zu meinem jüngsten Plan, ab Wintersemester 2013 ein Studium zu beginnen, sagen wird. Vermutlich irgend etwas im Sinne von „Wozu, sie verdienen in dem Beruf doch sehr gut, Sie müssen sich nur bemühen!!!“. Haha.

Bezogen auf das „Ins Gesicht spucken“: Gleiches gilt fürs Krematorium in Essen. Aber das ist eine andere Geschichte, zu der ich vielleicht gesondert nochmal etwas schreibe. Meine Gedanken rasen, ich bin gerade nicht mehr im Stande, klare Worte zu fassen.

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Das ich überhaupt wieder etwas schreibe, beweist mir aber selber, das ich meinen Lebensmut wieder zurück gewinnen kann. Denn es ist einerseits schlimm, zu sehen, wie Menschen, die du als gute Freunde ansiehst, diesen Vorfall quasi ignorieren, oder dir mit einem müden Lächeln ein geheucheltes „wird schon wieder“ zuwerfen, andererseits findet man aber gerade in solchen Situationen heraus, wer einem wirklich wichtig ist, und wer ein wirklicher Freund ist. Denn klar sind Dinge wie Streit mit dem Lebenspartner oder künstliche Distanzierung von sehr guten Freunden, weil man einfach nur stunzdoofe, völlig bescheuerte Fehler gemacht hat, die den anderen verunsichern und verletzen, sind im Angesicht eines toten Menschen einfach nur völlig blöde. Aber wenn man kurz darauf von Personen, von denen man es nicht erwartet, sehr viel Halt und Hilfe geboten bekommt, wiegt das viele schlechten Erfahrungen der letzten Zeit wieder auf.

Auch wenn ich gerade nicht so wirklich in der Lage bin, mich anständig zu artikulieren bin ich froh, mal ein wenig Luft gemacht zu haben.

PS: An meine beiden „sehr guten Freunde“, die sicherlich wissen das sie gemeint sind: Es tut mir leid.

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